Die Blockclock mini ist auf den ersten Blick leicht zu mögen. Es handelt sich um eine etwa 30 x 10 cm große Platte mit sieben eInk-Ziffern von Coinkite, dem kanadischen Hersteller hinter der COLDCARD-Hardware-Wallet, Opendime und Satscard. Diese Herkunft zeigt sich in der Verarbeitung und im Feinschliff der Software, und das eInk-Panel ist die richtige Wahl für etwas, das den ganzen Tag im Regal stehen soll: scharf, blendarm und angenehm für den flüchtigen Blick. Als Deko-Objekt liefert sie genau das, was sie verspricht: den ruhigen, dauerhaft laufenden Bitcoin-Ticker.
Sie ist auch flexibler als ein Ein-Zweck-Ticker. Man kann sie durch die aktuelle Blockhöhe, den Spotpreis in der gewählten Fiat-Währung, die „Moscow time“ (Satoshi pro Dollar), Opendime-Guthaben, Einzahlungs-QR-Codes und per API übermittelte eigene Nachrichten durchlaufen lassen. Die Aktualisierungsrate ist konfigurierbar, von etwa fünfminütigen Updates bis stündlich, oder man kann sie so einstellen, dass sie bei jedem neuen Block auslöst. Für den vorgesehenen Zweck – einen Schreibtisch oder einen Ladentresen mit Live-Netzwerkdaten zu schmücken – ist sie gut durchdacht.
Die Ehrlichkeit beginnt bei dem, was sie ist: eine 399-Dollar-Spielerei. Das ist echtes Geld für ein Gerät, dessen einzige Aufgabe darin besteht, eine Zahl anzuzeigen, die man auf dem eigenen Smartphone oder in jedem Block-Explorer bereits kostenlos sehen kann. Coinkite verheimlicht das nicht, und viele Besitzer zahlen gern für die Ästhetik, aber ein Shop sollte offen sagen, dass man ein Schmuckstück kauft und kein Werkzeug, das die eigene Sicherheit oder Verwahrung in irgendeiner Weise verbessert. Sie hält keine Schlüssel und trägt nichts zur Selbstverwahrung bei.
Der wichtigere Vorbehalt ist das Vertrauensmodell. Die Blockclock mini braucht das eigene WLAN und eine Internetverbindung, um überhaupt zu funktionieren, und der angezeigte Preis wird von einer Drittanbieter-Börsen-API der eigenen Wahl abgerufen. Das bedeutet, dass der angezeigte BTC-Preis nur so vertrauenswürdig ist wie diese externe Quelle; die Uhr verifiziert nichts eigenständig am Preis. Sie „trustless“ zu nennen wäre falsch. Es ist ein vernetztes Display, das Servern vertraut – für eine Dekoration völlig in Ordnung, aber es lohnt sich, das klar zu sagen.
Zu Coinkites Verdienst gibt es eine echte Datenschutz-Nuance zu ihren Gunsten: Bei Opendime-Guthaben wird die Fiat-Umrechnung auf dem Gerät selbst berechnet, sodass der Guthabenwert nicht an ihr Backend gesendet wird. Das ist ein durchdachtes Detail. Aber das Gerät greift dennoch über das Internet aus, um Blockdaten und Wechselkurse abzurufen, ist also keine datenschutzneutrale Einrichtung, und es ist keine Full Node. Wer eine Uhr will, die die Blockchain tatsächlich selbst validiert, findet in Node-basierten Projekten wie der Block Clock Jr. eine ganz andere Geräteklasse.
Das Urteil fällt also eng, aber fair aus. Wer ein schönes, gut verarbeitetes Bitcoin-Umgebungsdisplay von einem vertrauenswürdigen Hersteller möchte und den der Preis nicht abschreckt, für den ist die Blockclock mini ein reizvolles Objekt, das seine Aufgabe erfüllt. Man sollte nur mit klarem Blick herangehen: Es ist eine hochwertige Spielerei, die auf WLAN und einen vertrauenswürdigen Preis-Feed angewiesen ist, kein Werkzeug für Souveränität.